Sieglseen im Lechtal

Zu den Sieglseen im Lechtal – 24 Kilometer für einen ganz besonderen Ort

Manchmal sind es gerade die Orte, die ein wenig Mühe kosten, die einem besonders lange im Gedächtnis bleiben. Die Sieglseen im Tiroler Lechtal gehören für mich definitiv dazu. Rund 24 Kilometer waren wir an diesem Tag unterwegs – für die Kinder durchaus eine Ansage. Aber spätestens in dem Moment, als wir zum ersten Mal von oben auf das intensive Türkis der beiden Seen blickten, war klar: Dieser Weg hat sich gelohnt.

Start in Forchach

Los ging es am Wanderparkplatz in Forchach. Die Parkgebühr beträgt momentan 5 Euro. Sehr praktisch: Man kann mit Karte bezahlen. Das rettete uns gleich zu Beginn, denn mit ausreichend Kleingeld waren wir natürlich nicht ausgestattet.

Vom Parkplatz liefen wir zunächst zur neuen Brücke über den Lech. Schon die Brücke selbst ist sehenswert und ein schöner Auftakt für die Wanderung. Auf der anderen Seite hielten wir uns links und folgten dem Weg lechaufwärts Richtung Feldele und Schwarzwassertal.

Die ersten Kilometer sind ausgesprochen angenehm. Links begleitet einen immer wieder der Lech, daneben rauscht ein kleiner Bach stellenweise direkt am Weg entlang. Gerade dieser Abschnitt hat uns richtig gut gefallen: Wasser, Wald und immer wieder schöne Blicke in die Lechauen.

Nach einiger Zeit erreicht man das Feldele mit seinem schönen alten Jagdhaus. Kurz darauf zweigt der Weg nach rechts ab und führt auf einer breiten Forststraße hinauf ins Schwarzwassertal.

Durch das Schwarzwassertal

Ab hier muss man eigentlich nicht mehr viel über die Wegführung nachdenken. Die Forststraße zieht sich kilometerweit ins Tal hinein. Sie ist breit, gut ausgebaut und würde sich eigentlich geradezu perfekt fürs Fahrrad anbieten – wenn das Radfahren dort nicht verboten wäre.

Zu Fuß heißt das allerdings: Kilometer sammeln.

Der Weg führt wirklich weit hinein ins Schwarzwassertal. Nach ungefähr zwölf Kilometern Fußmarsch kam schließlich in einer Kurve die Abzweigung zu den Seen.

Besonders spektakulär sieht sie nicht aus.

Ein recht unscheinbarer Trampelpfad führt links vom Hauptweg weg. Wer nicht weiß, dass sich hier etwas befindet, könnte vermutlich problemlos daran vorbeilaufen.

Wir folgten dem Pfad und liefen noch eine kleine Anhöhe hinauf.

Und dann kam dieser Moment.

Plötzlich dieses Türkis
Quasi ohne Vorwarnung steht man plötzlich oben an der Abbruchkante.

Unter einem liegen die beiden Sieglseen.

Ich habe in den vergangenen Jahren wirklich viele schöne Landschaften gesehen. Aber dieser erste Blick auf die Sieglseen gehört für mich zu den beeindruckendsten Anblicken seit Langem.

Mitten im Wald leuchtet das Wasser in einem fast unwirklichen Türkis.

„Naturjuwel“ ist ein Begriff, der inzwischen ziemlich inflationär verwendet wird. Hier passt er.

Wir blieben erst einmal oben stehen und ließen den Anblick wirken.

Dabei ging mir noch etwas anderes durch den Kopf: Über die unglaublich intensive Farbe des Lechs bei uns in Füssen muss ich mich eigentlich nicht mehr wundern. Die Sieglseen besitzen nahezu exakt dieses wunderschöne, kräftige Türkis.

Runter ans Wasser

Nach einer Weile folgten wir dem schmalen Pfad rechts an der Abbruchkante entlang und stiegen hinunter zum See.

Unten gingen wir auf eine kleine Halbinsel – ein perfekter Platz für unsere Brotzeit. Und weil es an diesem Tag ziemlich warm war und wir nach rund zwölf Kilometern nicht mehr ganz taufrisch aussahen, kamen anschließend auch die vorsorglich eingepackten Badesachen zum Einsatz.

Dass ein Bergsee nicht gerade Badewannentemperatur haben würde, war uns natürlich klar.

Wie kalt er tatsächlich war, hatte ich trotzdem unterschätzt.

Der See war wirklich eiskalt. Trotzdem war das Wasser nach dem langen Anmarsch und an diesem warmen Tag eine großartige Abkühlung.

Wirklich lange hielten unsere Badeeinheiten zwar nicht an. Dafür gab es eben mehrere sehr kurze.

Danach saßen wir noch eine Weile am See und genossen diesen besonderen Ort, bevor wir irgendwann einsehen mussten, dass uns derselbe lange Weg nun auch wieder zurück nach Forchach bringen würde.

24 Kilometer, die sich gelohnt haben
Am Ende standen rund 24 Kilometer auf der Uhr.

Für die Kinder war das schon ziemlich lang. Aber um an besondere Orte zu gelangen, muss man manchmal eben ein wenig Aufwand in Kauf nehmen.

Und vielleicht ist es sogar ganz gut, dass die Sieglseen nicht direkt neben einem Parkplatz liegen. Der lange Weg macht diesen Moment, wenn man plötzlich oben an der Abbruchkante steht und zum ersten Mal das türkise Wasser sieht, irgendwie noch besonderer.

Für uns war die Tour jedenfalls eine dieser Wanderungen, bei denen schon auf dem Rückweg feststeht:

Hierher kommen wir noch einmal.

Denn während ich das intensive Türkis der Seen vor Augen habe, frage ich mich bereits, wie dieser Ort wohl aussieht, wenn sich im Herbst die Bäume verfärben.

Oder erst im Winter.

Mal schauen – vielleicht wird es im kommenden Frühjahr schon Zeit für die nächste Tour zu den Sieglseen.